Alles im Fluss

Als Projektgruppenleiterin ist Petra Westphal unter anderem für die Weltleitmesse drinktec verantwortlich. Im Gespräch verrät sie uns ihr Erfolgsrezept und gibt Einblicke in die Herausforderungen eines Messe-Exports.

Petra Westphal, Jahrgang 1966, verantwortet seit 2010 als Projektgruppenleiterin alle Messen in den beiden Clustern Getränke- und Lebensmittel – sowie Forstindustrie. Für die drinktec ist sie seit 1995 zuständig. Zunächst als Assistentin, dann als Referentin und ab 2003 als Projektleiterin. Nach High-School -Abschluss in den USA, Abitur in Deutschland und Hotelberufsfachschule in Bayern war sie gut sechs Jahre in verschiedenen Funktionen in der Hotellerie und im Beratungsgeschäft tätig.

Eine Nachricht auf dem Smartphone. Sie besagt, dass der Fruchtsaft schon zu lange in der Sonne steht. Gesendet hat diese Botschaft der Fruchtsaft selbst. Genauer gesagt: seine Hülle. Dank eingebauter Sensoren können intelligente Getränkeverpackungen heute mit dem Smartphone kommunizieren. Eine wegweisende Idee, von der es in der Getränkeindustrie noch viel mehr gibt.

Und sie alle werden auf der drinktec präsentiert, der Weltleitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie. Die drinktec findet alle vier Jahre statt und wird von Petra Westphal, Projektgruppenleiterin der Messe München, verantwortet. Westphal, die als Rheinländerin immer noch gerne Altbier trinkt, ist seit über 20 Jahren für die drinktec im Einsatz – was ihr branchenintern den Titel Miss drinktec eingebracht hat. Sie sagt: „Der Konsument von heute ist anspruchsvoller denn je.“ Ein Getränk müsse heute viel mehr können, als nur den Durst zu löschen oder gut zu schmecken.

Trends zum Trinken

Aus diesem Grund erleben Energy Drinks gerade einen Boom. Wer nun an die Getränke denkt, die mit Taurin, Koffein und Kohlensäure angeblich Flügel verleihen, liegt falsch. Die Rede ist von trinkbarem Obst und Gemüse in Form von Säften oder Smoothies, kurz: Liquid Food. Die flüssigen Früchte gelten als ernährungsphysiologisch wertvoll. Weil sie einen positiven Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden leisten, sind sie so beliebt.

Wie und womit ihre Getränke zubereitet werden, ist den Konsumenten ebenso wichtig: Kaffee soll bitte kalt extrahiert sein, die Milch dazu laktosefrei. Schnöde Limonade lassen wir mit Kurkuma und Agavendicksaft verfeinern. Und in den USA liegt Wasser im Trend, das raw ist, also komplett unbehandelt.

Petra Westphal

Petra Westphal freut sich. 76.000 Besucher und 1.749 Aussteller aus 80 Ländern kamen 2017 zur Weltleitmesse drinktec. Nächste Messe in München: 13.–17. September 2021.

Ob abgefüllt in Glasfaschen, Aluminiumdosen oder Kartonverpackungen – die trinkbaren Inhalte sind spannend, aber nur eine Randerscheinung auf der drinktec. In den 50er-Jahren als Brauereifachmesse gestartet, bildet sie heute die komplette Prozesskette der Getränkeindustrie ab. Das schließt sowohl Herstellungs-, Abfüll- und Verpackungsverfahren ein als auch Lösungen für Logistik und Marketing. Mit diesem breiten Angebot lockte die Messe 2017 über 76.000 Besucher an – ein Rekord.

Industrie 4.0: der Schlüssel zur Einzelfertigung

Bei aller Massenproduktion rückt auch in der Getränkeindustrie die individualisierte Produktion in den Vordergrund. Stichwort: Losgröße eins. Bereits auf der drinktec 2017 konnten sich die Besucher ihre ganz persönlichen Getränke zusammenstellen: von der Rezeptur bis zum selbst designten Etikett. Alle Hoffnungen liegen dabei in der Industrie 4.0, die bereits hoch flexible Maschinen und den Digitaldruck in die Getränkebranche gebracht hat. Jetzt gilt es, die Losgröße eins in die Massenproduktion zu heben. Petra Westphal zufolge kann das nicht mehr lange dauern: „Ich bin sicher, dass wir auf der drinktec 2021 wieder Bahnbrechendes erleben werden.“ Die Messe ist für die Industrie nämlich immer wieder Anlass, um Weltprämieren zu präsentieren.

„In Deutschland werden fast 98 Prozent der PET-Flaschen recycelt.“

Petra Westphal

Dadurch, dass die Produktion smarter und flexibler wird, lassen sich auch Ressourcen effizienter nutzen. Nachhaltigkeit spielt in vielen Bereichen der Getränkeindustrie eine wichtige Rolle. So melden zum Beispiel CIP (clean in place) -Prozessoren, wenn eine Maschine gereinigt werden muss. Damit lassen sich Wasser, Reinigungsmittel und Energie sparen. Auch Recycling ist auf der drinktec ein wachsendes Tema. „In Deutschland werden fast 98 Prozent der PET-Flaschen recycelt“, sagt Westphal. „Nichtsdestotrotz arbeitet die Forschung intensiv an Alternativen zu PET.“ Hier seien besonders Bio-PET-Verpackungen auf dem Vormarsch. Das Ziel: Behältnisse, die zu 100 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen

Die drinktec hat die Zukunft stets im Blick. Und dies nicht nur hierzulande. Petra Westphal und ihr Team bieten ein weltweites Netzwerk aus Messen und Kooperationen beispielsweise in Afrika, Indien und China. Mit maßgeschneiderten Messeplattformen sind sie überall dort, wo die Industrie sie braucht. Dadurch sind sie auch zwischen den drinktec-Jahren auf bedeutenden Märkten präsent. Die größte Herausforderung in diesem Auslandsgeschäft liege darin, die unterschiedlichen Kulturen mit ihren Bedürfnissen und Arbeitsweisen zu vereinen.

Um die Teams auf eine Linie zu bringen, schwört Petra Westphal auf persönlichen Kontakt, Toleranz und – Gelassenheit. „Zu unserem Erfolgsrezept gehört der Mut zur Lücke. Wir sind immer offen für neue Wege und Herangehensweisen“, sagt sie. Nicht zuletzt diese Aufgeschlossenheit macht die drinktec zur international wichtigsten Plattform für die Branche. Petra Westphal hat für dieses Gipfeltreffen im Vierjahresturnus den passenden Vergleich parat: „Was die Olympischen Spiele für Sportler sind, ist die drinktec für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie.

BRANCHENTREFF: DIE DRINKTEC ist die Weltleitmesse der Getränke- und Liquid-Food-Industrie. 76.000 Besucher und 1.749 Aussteller aus 80 Ländern in 2017. Nächste Messe in München: 13.–17. September 2021.