"Wir wollen Menschen verbinden"

Monika Dech und Margit Dittrich haben das Netzwerk Frauen verbinden gegründet. Die beiden wissen: Viele Geschlechterdiskussionen könnten wir uns sparen. Wir haben sie gefragt, was Frauen voneinander lernen können.

Die Netzwerk-Gründerinnen: Monika Dech, stellvertretende Geschäftsführerin der Messe München (l.), und Unternehmerin Margit Dittrich (r.) mit Moderatorin Katarina Barić.

MM | Frau Dech, Sie gehören seit vielen Jahren der Geschäftsführung an und viele Münchner Weltleitmessen werden von Frauen geführt – wie eine Baumaschinenmesse bauma, die flächenmäßig größte Messe der Welt. Dabei halten viele Außenstehende Messen für einen Männerbetrieb. Was entgegnen Sie denen?

MONIKA DECH | Die Messe München ist überhaupt kein Männerbetrieb. Im Gegenteil: Über 60 Prozent unserer Mitarbeiter sind weiblich, und in Führungspositionen beträgt der Frauenanteil über 40 Prozent. Das Geschlecht hat bei meinem Aufstieg bei der Messe München jedenfalls keine Rolle gespielt. Ich finde es wichtig, dass Person und Position zum richtigen Zeitpunkt zusammenpassen.

MM | Was können Frauen im Business besser – oder gibt es am Ende gar keinen Unterschied, wie manche Feministinnen behaupten?

DECH | Frauen legen meistens stärkeren Wert auf die Beziehungsebene und haben vielleicht mehr Gespür dafür, wie sie Menschen mitnehmen können. Gerade in unserer modernen, manchmal schwierigen Geschäftswelt und in Zeiten der Digitalisierung sind das gute Voraussetzungen.

MARGIT DITTRICH | Wir gehen Probleme anders an und lassen uns eher von unserer Neugierde lenken. Frauen sollten sich trauen, diese Unterschiede stärker herauszustellen.

„Ich sage zu meinen Mandantinnen: Um wahrgenommen zu werden, müssen Sie sich nicht wie ein Mann verhalten.“

Margit Dittrich

MM | Mal ehrlich: Ist das Verhältnis der Geschlechter nicht viel besser als früher?

DITTRICH | Was sich geändert hat, ist die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. Ich muss mich nicht mehr mit einem Mann in der gleichen Position messen. Frauen in Führungspositionen versuchen häufig, Männer zu kopieren. Dabei wäre es ein Fehler, wenn etwa Frau Dech in der Geschäftsführung genauso auftritt wie ein Mann. Als Executive Coach sage ich zu meinen Mandantinnen immer wieder: Um wahrgenommen zu werden, müssen Sie sich nicht wie ein Mann verhalten.

Frauen verbinden Monika Dech und Margit Dittrich

Margit Dittrich (l.) und Monika Dech wollen mit ihrer Initiative Frauen vernetzen und stärken.

MM | Es gibt immer noch Lohnunterschiede. Glauben Sie, dass Frauen zu wenig verlangen?

DITTRICH | Frauen verkaufen ihre eigene Leistung tatsächlich schlechter als Männer. Die Lohnlücke hat aber auch gesellschaftliche Gründe. Wir leben nun mal noch nicht so lange in einer Welt, in der Frauen einen Fünfjahresdeal als Geschäftsführerin verhandeln. Erst seit 1977 dürfen Frauen einen Arbeitsvertrag ohne Zustimmung des Ehemannes unterschreiben – die ungleichen Verhältnisse kommen nicht von ungefähr. Ich glaube aber fest daran, dass wir 2030 dieses Thema übersprungen haben werden.

„Die Digitalisierung kann Frauen beruflich in die Karten spielen."

Monika Dech

MM | Apropos 2030, heute heißt es: „The future is female.“ Stimmen Sie dem zu?

DECH | Das ist sicherlich nicht wörtlich gemeint, so kämen wir von einem Extrem ins andere. Es geht eher darum, das Potenzial von Frauen zu heben. Dafür müssen sich die Rahmenbedingungen weiter verbessern, etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Den größeren Anteil der Last an der Familienarbeit tragen immer noch Frauen. Deshalb glaube ich, dass aktuelle Veränderungen in der Arbeitswelt Frauen in die Karten spielen können. Nehmen wir nur die Digitalisierung: Dank ihr muss heute nicht mehr jeder acht Stunden im Büro sitzen – ein Segen für alle Berufstätigen mit Familie.

Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht

MM | Was fehlt unserer Gesellschaft, solange Frauen sie nicht stärker mitgestalten?

DITTRICH | Wir stehen vor einem enormen Fachkräftemangel, der bis 2030 kaum auszugleichen ist. Daher müssen wir alle Potenziale mobilisieren. Heute gibt es nichts mehr, was eine Frau weniger könnte als ein Mann. Wir müssen endlich diese alten Zöpfe abschneiden und aufhören, darüber nachzudenken, ob wir über etwas nachdenken müssen – einen Frauenrat etwa oder eine Quote. Wir sollten einfach mal machen, statt lange zu diskutieren.

„Die Gesellschaft war lange nicht bereit zu akzeptieren, dass eine Managementposition mit einer Frau besetzt werden kann.“

Margit Dittrich

MM | Halten wir uns also auch zu lange mit der vermeintlichen gläsernen Decke auf?

DITTRICH | Früher hätte ich die Frage bejaht, ob wir eine Quote brauchen oder ob es die gläserne Decke gibt. Die Gesellschaft war lange nicht bereit zu akzeptieren, dass eine Managementposition mit einer Frau besetzt werden kann. Und das nicht, weil es nicht möglich gewesen wäre, sondern weil unsere Denkstruktur das nicht hergegeben hat. Heute lehnen Frauen Führungspositionen sogar ab. Und sei es nur aus dem Grund, dass sich das Unternehmen nicht genügend Social Responsibility auf die Fahne schreibt.

DECH | Gleichzeitig gibt es weiterhin teilweise immer noch die von Männern dominierte Geschäftswelt, also Unternehmen, in denen Frauen in der Führungsriege weiterhin ein ungewohntes Bild sind. Dabei ist es erwiesen, dass gemischte Teams am erfolgreichsten sind, also Männer und Frauen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Vorgehensweisen. Und da hat sich in den letzten Jahren schon einiges verbessert.

MM | Warum braucht es heute noch ein Frauennetzwerk?

DECH | Es braucht eine Plattform, über die sich Frauen austauschen und gegenseitig stärken können. Wie Frau Dittrich schon sagte, viele kennen das Gefühl, sich behaupten, sich anpassen oder anders geben zu müssen.

Es gibt immer noch besondere Herausforderungen für Frauen in der Geschäftswelt. Und darüber wollen wir reden und tun das auch, um uns gegenseitig zu stärken.

DITTRICH | Sind die Frauen unter sich, fühlen sie sich wohl. Sie müssen nicht schön sein, nicht die Starke spielen und können auch mal zugeben: Das kann ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich das täte, wenn Männer dabei wären. Aber eigentlich wollte ich nie ein Frauennetzwerk gründen (lacht). Wir sehen nur immer wieder, dass die Gesellschaft noch nicht so weit ist, wie wir es gern hätten.

„Wir brauchen die richtigen Mitglieder und nicht einfach nur viele.“

Monika Dech

MM | Zu welchen Erfolgen hat das Netzwerken geführt?

DECH | Ich persönlich konnte viele meiner Kunden bei der Messe München besser kennenlernen. Ich bin neuen inspirierenden und ganz besonderen Persönlichkeiten begegnet. Das hat mich persönlich sehr bereichert, und das macht ungeheuer Spaß. Außerdem ist die Messe München dadurch sichtbarer geworden, das Netzwerk ist ein wichtiger Baustein der Arbeitgebermarke und verwirklicht

unseren Slogan „Connecting Global Competence“.

DITTRICH | Innerhalb des Netzwerks kommt es natürlich auch zu vielen produktiven Verbindungen. Unsere Mitglieder sind immer wieder dankbar für neue, überraschende Begegnungen, die es ohne das Netzwerk nie gegeben hätte.

MM | Wie soll es mit Frauen verbinden weitergehen?

DECH | Wir werden gerne nach unserer Zielgröße an Mitgliedern gefragt. Die haben wir aber nicht. Wir brauchen die Richtigen und nicht einfach nur viele.

DITTRICH | Genau. Aber wir haben ja noch viele Ideen. Männer verbinden gehört auch dazu. Wobei es vielleicht Menschen verbinden heißen sollte (beide lachen).

Lichtzeichen setzen

Um eine Plattform für weibliche Führungskräfte zu schaffen, gründeten Monika Dech und Margit Dittrich 2015 das Netzwerk Frauen verbinden. Heute zählen sie mehr als 500 Mitglieder, die etwa in Politik, Wissenschaft und Kultur tätig sind. Auf gemeinsamen Events können sich die Frauen austauschen, vernetzen und neue Ideen besprechen.