Roland Berger und Prinz Luitpold

Roland Berger und Prinz Luitpold im Interview

Es gibt diese wunderbare Filmszene mit Leonardo DiCaprio. Er steht auf dem Bug der Titanic, in Gedanken das ersehnte New York vor Augen, und ruft über die Wellen des Ozeans: „Ich bin der König der Welt.“

Herr Professor Berger, wann haben Sie sich das letzte Mal wie ein König gefühlt?

Roland Berger: Das passiert mir eher selten. Wenn überhaupt, dann eher auf Reisen. Etwa auf der Großen Mauer in China. Das war für mich ein sehr spezielles Erlebnis, vor allem, weil ich relativ privilegiert begleitet wurde und den Augenblick nicht mit Touristen teilen musste. Oder auf dem Shanghai Tower, damals der höchste Wolkenkratzer der Welt, den mir der Bürgermeister von Pudong zeigte. Von dort oben auf die Stadt zu schauen ist schon sehr erhebend.

Und Sie Prinz Luitpold? Wir vermuten, aufgrund Ihrer Herkunft fühlt man sich jeden Tag ein bisschen wie ein König, oder?

Prinz Luitpold: Überhaupt nicht. Wie fühlt sich ein König denn überhaupt? Ich glaube, die Leute haben davon eine völlig falsche Vorstellung. Wir müssen uns die meisten Könige eher gequält vorstellen. Ständig den ganzen Hofstaat um sich herum, der ihnen kaum persönlichen Bewegungsspielraum zugestand. Bei Ludwig II. war das vielleicht anders. Der hat sich von allem frei gemacht, aber mit der Schwierigkeit, dass ihn die Leute irgendwann nicht mehr verstanden haben. Ein König, der nahe am Volk regierte, hatte ein eher schweres Leben.

Roland Berger: Da stimme ich zu. Das war bestimmt nicht anders als heute bei so manchem Vorstandschef. Sie sind rund um die Uhr von Leuten umgeben, haben einen durchgetakteten Zeitplan, sieben Tage die Woche, im Grunde genommen eine 24-Stunden-Bereitschaft. In diesem engen Korsett kann man sich kaum noch frei bewegen.

Trotzdem, Prinz Luitpold, wie wächst man als Urenkel von Ludwig III., Bayerns letztem regierenden König, als Kind auf? Mussten Sie in Schloss Leutstetten mithelfen? Den Tisch decken, die Spülmaschine ausräumen oder dergleichen?

Prinz Luitpold:Als ich klein war, im Schloss Leutstetten, also noch zu Lebzeiten von Kronprinz Rupprecht, gab es schon einen gewissen Hofstaat. Mit Hofmarschall, Chauffeur, Haushofmeister und einer Küche mit fünf oder sechs Mitarbeitern. Aber später, nach dem Tod meines Großvaters, lebten wir in einem ganz normalen Haushalt. Ein Zimmer für meine Eltern und eines für mich. Das war’s. Natürlich musste ich da mithelfen. Und das war auch gar kein Problem. Schwieriger war es in der Schule.

Inwiefern?

Prinz Luitpold: Da bekommt man mit einem Namen, wie ich ihn trage, erst mal Gegenwind. Auf der Grundschule in Kaltenberg, damals die modernste in Bayern, hat uns mal der Kultusminister besucht. Wir wurden einzeln vorgestellt. Er fragte mich nach meinem Namen. Ich sagte: Luitpold. Und auf seine erneute Nachfrage noch einmal, Luitpold. Darauf er: Der blöde Kerl weiß ja noch nicht mal seinen Nachnamen. Aber was hätte ich denn auch sagen sollen? Prinz von Bayern? Mit dem Nachnamen ist es etwas schwierig in Familien wie der meinen.

Herr Professor Berger, welchen Spitznamen trugen Sie in der Schulzeit?

Roland Berger: Es gab mal ein paar, die es mit Rolli versucht haben, aber das ging relativ schnell unter. Mein Name eignet sich offenbar nicht für einen Spitznamen.

Sie haben zu Studienzeiten Ihr erstes Business gegründet. Eine Wäscherei, die Sie zum Ende Ihres Studiums für 600.000 Mark verkauft haben. Also quasi vom Hemdenwäscher zum Beinahe-Millionär. Kann das heute noch jeder schaffen?

Roland Berger: Die Möglichkeiten sind heute noch größer als damals, allein schon wegen der Digitalisierung. Es gibt momentan ein enormes Potenzial an unternehmerischen Chancen, so viele wie wohl noch nie. Im Übrigen: Für die Schulden, die ich für die Wäscherei machen musste, hat meine Mutter unterschrieben. Hätte das Geschäft nicht funktioniert, wäre unsere Familie pleite gewesen.

Die Person Roland Berger

Roland Berger, Jahrgang 1937, machte sich 1967 mit seiner Unternehmensberatung in München selbstständig. Er wurde zu einem der gefragtesten Ansprechpartner der Republik – nicht nur in der Welt der Wirtschaft, sondern auch der Politik.

Heute ist die Strategieberatung im Eigentum von rund 250 Partnern und zählt 2.700 Mitarbeiter. Berger selbst ist dem Unternehmen bis jetzt als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats eng verbunden. Seine Stiftung, die er 2008 mit 50 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen gründete, unterstützt begabte Kinder aus sozial benachteiligten Familien und vergibt jährlich den mit einer Million Euro dotierten Roland Berger Preis für Menschenwürde.

Die Person Prinz Luitpold von Bayern

Luitpold Rupprecht Heinrich, Prinz von Bayern, Jahrgang 1951, ist ein Urenkel von Ludwig III., dem letzten regierenden König von Bayern. Der Jurist ist Inhaber der Porzellanmanufaktur Nymphenburg und der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg.

Er exportiert sein Bier heute in 60 Länder weltweit und hat für 15 Länder Lizenzen vergeben, in denen das königliche Bier nach deutscher Brautradition hergestellt wird. Etwa in Indien, der Mongolei und Indonesien. Einmal im Jahr richtet Prinz Luitpold auf dem Gelände des Schlosses Kaltenberg das gleichnamige Ritterturnier aus – eine mittelalterlich-historisierende Stunt-Show, die regelmäßig von mehr als 80.000 Gästen besucht wird.