Der Adel

Der Adel unter sich

Unternehmensberater Roland Berger und Prinz Luitpold von Bayern amüsierten sich königlich (Foto: Robert Brembeck)

„Bier ist mein Kerngeschäft. Wir brauen in 15 Ländern unter Lizenz.“

Prinz Luitpold

Prinz Luitpold, Sie sind mit der Porzellanmanufaktur Nymphenburg ein Vertreter der Old Economy …

Roland Berger: Sehr Old Economy sogar.

Prinz Luitpold: Genau genommen, produzieren wir unser Porzellan heute noch wie im Gründungsjahr 1747.

Wer kauft heute noch einen Porzellanteller, in dem 250 Arbeitsstunden stecken und der 2.000 Euro oder mehr kostet?

Prinz Luitpold: Zunächst einmal ist Bier mein Kerngeschäft. Wir brauen in 15 Ländern unter Lizenz, sogar in Indonesien und der Mongolei. Aber zu Ihrer Frage: Wir haben in Nymphenburg 70 Mitarbeiter, darunter Handwerker, die für das Erlernen ihrer Kunst zehn Jahre in die Lehre gingen. Wir sind mit unserer Porzellanmalerei seit ein paar Monaten auch als immaterielles Weltkulturerbe der Unesco anerkannt. Wir sind kein Massenhersteller, und es gibt glücklicherweise Menschen, die das honorieren. Am Anfang, wenn jemand zu Wohlstand kommt, gibt er sein Geld für Kleider, Uhren und Schmuck aus. Dann kommt das Auto. Danach das zweite Auto. Später wird ein Haus gekauft. Und dann laden sie Gäste an ihren Tisch, gedeckt mit Billiggeschirr aus dem Warenhaus. Ist das nicht peinlich? Im Übrigen geht es hier ja nicht ums Blümchengeschirr von Urgroßoma. Wir haben auch hochmodernes Design wie die Geschirrserie Lightscape von Ruth Gurvich. Ein weiteres wichtiges Bein sind limitierte Kunstwerke. Wir haben gerade erst eine Serie von Damien Hirst herausgebracht. Sie war in kürzester Zeit ausverkauft.

Haben Sie auch ein Stück gekauft, Herr Berger?

Roland Berger: Nymphenburger Porzellan haben wir schon länger zu Hause …

Prinz Luitpold: … bestimmt noch immer viel zu wenig.

Roland Berger: … ja, mit Sicherheit, aber als Kunstsammler kaufe ich Werke von Damien Hirst lieber, um sie an die Wand zu hängen.

Lassen Sie uns über Bayern reden. Kanzlerin Angela Merkel hat in München Trudering mal gesagt: „Ich komme immer gerne nach Bayern, weil Sie ja abends um sechs Uhr schon längere Zeit gemütlich beim Bier sitzen und trotzdem das Bundesland mit der besten Wirtschaftsleistung sind. Ich weiß nicht, wie Sie das machen.“ Haben Sie eine Antwort, meine Herren?

Roland Berger: Da ist Frau Merkel offenbar der bayerischen Tourismuswerbung zum Opfer gefallen. Die Realität ist eine andere. Die Landwirtschaft, die 1950 noch 25 Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes ausmachte, beträgt nur noch gut ein Prozent. Unsere Industriepolitik hat uns groß gemacht. Die systematische Investition in Forschung, Entwicklung und Bildung. Wir haben in München heute zum Beispiel eine Biotechnologie-Industrie, die neben der in Mannheim eine der größten unserer Zeit ist. Kaum jemand sitzt um sechs Uhr beim Bier. So wörtlich hat Frau Merkel das bestimmt auch nicht gemeint. Sie spielte damit wohl eher auf eine gewisse Gemütlichkeit an.

„Als Kind hatten wir alle sechs Wochen die Gestapo im Haus. So etwas vergisst man nie, wenn man die Angst der eigenen Eltern spürt.“

Roland Berger

ADEL UNTER SICH – Roland Berger im Gespräch mit Prinz Luitpold von Bayern

Prinz Luitpold: Die ist hier in Bayern ganz sicher gegeben, weil die Menschen in unserem Land verwurzelt sind und sich wohlfühlen. Unser großes Glück besteht darin, dass wir nach dem Zweiten Weltkrieg auf der richtigen Seite aufgewachsen sind.

Roland Berger: Ja, wir durften jetzt gut 70 Jahre Frieden und Freiheit erleben. Dafür bin ich sehr dankbar, zumal ich mich noch gut an ganz andere Zeiten erinnern kann. Als Kind hatten wir alle sechs Wochen die Gestapo im Haus. Mein Vater wurde mehrfach verhaftet. So etwas vergisst man nie, wenn man die Angst der eigenen Eltern spürt. Das ist auch ein Grund, warum ich mit meiner Stiftung jedes Jahr einen Preis für Menschenwürde verleihe. An Personen, die sich weltweit für Freiheit, Toleranz und Menschenrechte einsetzen.