Die Königshäuser

Prinz Luitpold, die Nazizeit war auch für Ihre Familie ein sehr dunkles Kapitel …

Prinz Luitpold: Die Familienmitglieder wurden der Reihe nach eingefangen. Insbesondere nach dem Stauffenberg-Attentat, weil Kronprinz Rupprecht kurz davor mit der Familie Stauffenberg in Italien Kontakt hatte. Herzog Albrecht und seine Kinder wurden in Budapest verhaftet. Meine Mutter erwischten sie am Gardasee, mit Typhus. Und dann kamen alle im KZ zusammen. Weihnachten wollten sie trotzdem feiern. Da haben sie etwas gebastelt: Eine Krippe, die Herzog Franz von Bayern über die Festtage noch immer in Schloss Nymphenburg aufstellt, erinnert bis heute daran. „KZ Oranienburg, Weihnachten 1944, von Mama gemacht“, steht auf dem Karton, in dem er die Krippe aufbewahrt. Herzog Albrecht konnte nach dem KZ nie wieder etwas Gebratenes genießen, weil sie nebenan die Leichen der Gefangenen verbrannten. Er hatte einen lebenslangen Ekel.

Prinz Luitpold, wenn Sie auf europäische Nachbarländer schauen, wo die Königsfamilien bis heute in Amt und Würden sind, verspüren Sie da manchmal auch ein bisschen Sehnsucht? Schließlich hat ihre Familie das Land Bayern fast 740 Jahre regiert.

Prinz Luitpold: 738 Jahre lang, um genau zu sein. Das ist Rekord in Europa. Aber nein, wir stehen mit unserer Bundesrepublik doch sehr gut da. Grundsätzlich kann man sich allerdings schon fragen, ob eine Demokratie in der Form einer Monarchie oder einer Republik das bessere Staatssystem ist. Eine Monarchie ist, wenn Sie es mal aus der Sicht der Gewaltenteilung sehen, ein System, wo das Staatsoberhaupt außerhalb der Parteikontrolle liegt. Und das kann auch einer Demokratie durchaus guttun.

Roland Berger: Was natürlich auch sehr stark vom Ruf des Königshauses abhängt. Die Windsors scheinen mir in dieser Hinsicht alles richtig zu machen. Das englische Königshaus besitzt bis heute eine enorme Reputation und hat bisher noch jeden Skandal unbeschadet überstanden. Selbst den Tod von Lady Di. Marketingtechnisch verkaufen die Windsors ihr Land perfekt ...

Prinz Luitpold: … und sogar kostenlos. Die Fernsehrechte an den Übertragungen der königlichen Events bringen dem Staat mehr Geld ein, als das Königshaus den Staat kostet. Die Windsors arbeiten quasi gratis.

In Ihrer eigenen Familie ist Ludwig II. der Popstar unter den Wittelsbachern. Was denken Sie persönlich über seinen mysteriösen Tod im Starnberger See? War es Mord oder Selbstmord?

Prinz Luitpold: Mord war es mit Sicherheit nicht. Das halte ich für ausgeschlossen. Ob es Selbstmord war oder ein Kreislaufversagen, kann heute keiner mehr feststellen. Wenn man nachliest, was nach seinem Tod alles mit ihm angestellt wurde, läuft es einem kalt den Buckel runter. Sein Kopf wurde aufgeschnitten, das Hirn herausgenommen und untersucht. Sein Herz liegt heute wie das aller bayerischen Herrscher der letzten 500 Jahre in Altötting. Nein, ich glaube nicht an Mord. In seiner Jugend war Ludwig II. ein exzellenter Schwimmer. Aber zu seinem Todeszeitpunkt wog er 140 Kilo, war untrainiert und das Wasser kalt. Kreislaufversagen erscheint mir am wahrscheinlichsten.

Die Zeit des Märchenkönigs ist lange vorbei. Trotzdem träumt noch heute fast jedes kleine Mädchen davon, einmal Prinzessin zu sein. Warum eigentlich?

Roland Berger: Vielleicht ist es die Kunst und Kultur, mit denen sich die Könige über Jahrhunderte hinweg umgeben haben. Eine gewisse Pracht, die Mädchen wahrscheinlich anziehend finden. Auch die Märchen werden ihren Teil dazu beigetragen haben. Die Geschichte von Aschenputtel und das Leben von Sissi. Kinder haben ja viel Fantasie.

Prinz Luitpold, verraten Sie es uns: Was hat Ihre Frau gesagt, als Sie um ihre Hand angehalten haben?

Prinz Luitpold: Na, was soll sie schon gesagt haben? „Ja“ hat sie gesagt.

Dieses Interview wurde am 10. Oktober 2017 von Stefan Schmortte und Ingo Wilhelm geführt und endet hier.