Falk Senger

Wunder der Technik

Falk Senger, einer der Geschäftsführer der Messe München

Messemacher Falk Senger gibt einen Ausblick in die Zukunft

Die Technik ist fantastisch, das Beste, was die Ingenieurkunst je entwickelt hat: Als der 38-jährige Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betritt, feiern die Männer im NASA-Kontrollzentrum ihren Apollo Guidance Computer (AGC) – das weltweit erste Elektronengehirn mit einem integrierten Schaltkreis. Bis zu sieben Prozesse, gewichtet nach ihrer Priorität, kann der Rechenautomat gleichzeitig bearbeiten. Ein Meilenstein der Entwicklung von Technologien. Und ein Computer, ohne den die Menschheit niemals auf den Mond gelangt wäre.

Und heute, im Zeitalter der Digitalisierung? Jeder Taschenrechner eines Grundschülers hat mehr Rechenpower als der AGC-Computer an Bord der Apollo-11-Rakete. Ein iPhone 6 könnte aktuell 120 Millionen Mondlandungen simulieren. Natürlich gleichzeitig und bei einem Bruchteil des Gewichts, das der 32 Kilo schwere Computerklotz der Astronautencrew seinerzeit auf die Waage brachte.

WUNDER DER TECHNIK – Falk Senger über die technologischen Leitmessen der Messe München

Technologie: Eine Revolution nach der anderen

„Das ist schon faszinierend, oder?“ Ein Satz, den Falk Senger häufiger formuliert, wenn er über die rasanten Fortschritte der Technik referiert. Als einer der Geschäftsführer der Messe München verantwortet er die technologischen Leitmessen der Gesellschaft – darunter die Automatica, Electronica und Productronica. Durch den ständigen Austausch mit den auf diesen Messen ausstellenden Unternehmen erfährt er viel über neue technologische Entwicklungen. Und doch staunt er bei jeder seiner Messen aufs Neue, wie die Branche in derart kurzen Zeitintervallen Wirtschaft und Gesellschaft immer wieder revolutioniert.

„Ich finde es beispielsweise sehr bemerkenswert, dass heutzutage 80 Prozent der Innovationen im Automobilbau von Mikroelektronik und Software angetrieben werden. Ich glaube, das ist vielen gar nicht so bewusst“, sagt er. „Früher bestanden Autos überwiegend aus mechanischen Bauteilen wie Kolben, Pleuelstangen und Kurbelwellen. Heute sind es immer mehr die Mikroprozessoren, die Sensoren und die Künstliche Intelligenz von Bauteilen, die für immer sparsamere Motoren, immer mehr Sicherheit und immer intelligentere Fahrerassistenzsysteme sorgen – und in Zukunft für autonomes Fahren. Schon faszinierend, oder?“

„Wir überlassen das Denken schon heute ein Stück weit den Maschinen“

Falk Senger, Geschäftsführer der internationalen technologischen Leitmessen der Messe München

Ein weiterer wesentlicher Aspekt auf Sengers Messen ist die ständig steigende Effizienz und Individualisierung in der Produktion. Immer intelligentere und miteinander vernetzte Maschinen revolutionieren aktuell die Fabrikhallen. Zum Beispiel durch noch kompaktere Schaltkreise, die immer unübersichtlichere Rechenoperationen – in letzter Konsequenz also immer menschlichere Aufgaben – übernehmen können. „Wir erleben bereits heute, wie wir das Denken ein Stück weit den Maschinen überlassen“, sagt Senger.

Dass für derart anspruchsvolle Rechenvorgänge nicht nur immer kompaktere, sondern auch immer komplexere Mikroprozessoren vonnöten sind, ist klar. Doch wie weit lässt sich dieses Spiel überhaupt noch treiben? Gordon Moore, Mitgründer des Halbleiterherstellers Intel, formulierte bereits 1965 ein Gesetz, demzufolge integrierte Schaltungen sich in ihrer Komplexität regelmäßig verdoppeln, während sich deren Herstellungskosten halbieren. 2007 allerdings proklamierte er dann das Ende dieser Entwicklung. In zehn, spätestens in 15 Jahren, so seine Prognose, habe sich der Trend erledigt.

Die Grenzen des Möglichen – definiert von der aktuell verfügbaren Technologie

War es das also schon mit dem Fortschritt in Sachen Rechenleistung? Werden wir uns in nächster Zeit eher auf die Erhaltung unseres Ist-Zustandes konzentrieren, als die Entwicklung noch weiter forcieren zu können? Für Falk Senger sieht es derzeit nicht danach aus, als würde das Ende des Moore’schen Gesetzes so schnell Wirklichkeit. „Mikroprozessoren werden nach wie vor effizienter und leistungsfähiger. Und zwar in Riesenschritten. Das sehe ich jedes Jahr auf unseren Messen“, sagt Senger.

Beim Thema Miniaturisierung schränkt er allerdings ein: „Hier kann die Entwicklung durchaus an physikalische Grenzen stoßen – bis der Forschung der nächste Technologiesprung gelingt.“ Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution, und das Internet der Dinge wären jedenfalls bloße Gedankenexperimente, würden die Aussteller auf Automatica, Electronica und Productronica nicht regelmäßig die technologischen Grundlagen dafür entwickeln und dem Fachpublikum vorstellen.

Die Digitalisierung: nach wie vor ein Game-Changer

„Die Lösungen, die sie auf unseren Messen präsentieren, machen vor keinem gesellschaftlichen Bereich halt“, sagt Senger. „Die Digitalisierung fragt nicht danach, ob wir sie haben wollen. Sie wird unser Leben in den nächsten Jahren noch einmal drastisch verändern.“

Und damit auch die Messe München selbst. Bereits in fünf Jahren will das Unternehmen fünf Prozent seines Umsatzes mit digitalen Geschäftsmodellen erwirtschaften. Ein ambitioniertes Ziel, von dessen Machbarkeit die Geschäftsführung allerdings fest überzeugt ist.

Auch ganz persönlich erlebt Senger den Fortschritt der digitalen Transformation Tag für Tag, beispielsweise immer dann, wenn er auf dem Weg zur Arbeit in sein Auto steigt. „Schon beim Starten des Motors zu wissen, auf welcher Strecke ich heute möglichst staufrei ins Büro komme, finde ich faszinierend.“ Man könnte sagen: fast so faszinierend wie früher ein Flug zum Mond.