Der Logistigent

Jährlich stellen mehr als 35.000 Unternehmen auf der Messe München aus, und über zwei Millionen Besucher strömen auf das Gelände. Da braucht es als Kopf im Messeservice einen Logistik-Profi mit der Qualität eines Dirigenten: einen Logistigenten

Von Petra Kratzert

Rolf Tischer leitet den Zentralbereich Messeservice. Er erklärt, wie die perfekte Messe gelingt.

„Wir machen perfekte Messen“, sagt Rolf Tischer. „Das ist, was unsere Kunden erwarten.“ Tischer schaut konzentriert auf den Tisch und zeigt dann nahtlos ein gewinnendes Lächeln. Man nimmt ihm diesen hohen Anspruch ab. „Ich habe schon immer den Impuls, helfen zu wollen“, erklärt er seinen Antrieb für den Job.

Rolf Tischer, © DirkBruniecki

Messe-Urgestein: Seit 2017 leitet Rolf Tischer den Zentralbereich Messeservice, seit 27 Jahren arbeitet er bei der Messe München.

Messeservice – das sind die Mitarbeiter, die eine Messe praktisch möglich machen. Perfekt heißt da für Rolf Tischer: Alle Aussteller haben die technischen Stand-Anschlüsse, die sie brauchen. Die Gastronomie kann auf dem gesamten Gelände ohne große Wartezeiten liefern, was der Kunde will. Die Ticketbuchung und das Einlass-System funktionieren – neuerdings auch mit mobilem Ticketing. Die Telefon-Hotline hilft bei allen Informationslücken, die Messehostessen sind perfekt gebrieft und erteilen freundlich die gewünschte Auskunft. Und am wichtigsten: Es kommt nicht zum Verkehrskollaps – weder während einer Messe noch davor oder danach zu Auf- und Abbauzeiten.

„Es gibt keinen Stress, solange du einen Plan hast.“

Rolf Tischer

Tischer braucht gute Nerven. Und die hat er. Weil er weiß, wie er sie schonen kann. „Es gibt keinen Stress, solange du einen Plan hast“, sagt er. Der Plan basiert vor allem auch auf Kommunikation: „Wenn wir im Vorfeld mit unseren Kunden sprechen und sie gut beraten, dann haben wir während des Aufbaus weniger Probleme.“

„Bauma = Stauma“ gehört der Vergangenheit an

614.000 Quadratmeter Ausstellungs­fläche zählt die künftige Bauma 2019. Sie ist die größte Messe der Welt. Als die Messe München nach ihrer Eröffnung in Riem 1998 in der ersten Zeit noch keinen U-Bahn-Anschluss hatte, gab es Schlagzeilen wie „Bauma = Stauma“. Seitdem hat sich viel verändert, vor allem dank des Verkehrs- und Sicherheitskonzeptes, das das Team von Rolf Tischer mit den Behörden erarbeitet hat. Der Lkw-Verkehr ist immer eine große Herausforderung. „Unsere Ladehöfe waren zeitweise überfüllt, und es bildeten sich auf den Straßen lange Schlangen“, erinnert sich Tischer. Manch ein Fahrer musste eine extra Nacht vor den Toren der Messe München verbringen.

Rolf Tischer, © DirkBruniecki

Rolf Tischer sorgt bei jeder Messe für einen perfekten Ablauf.

„Wir bauen hier alle drei Jahre eine kleine Stadt.“

Rolf Tischer

Für die Bauma 2019 entwickelte Tischer mit erfahrenen Spediteuren eine ausgefeilte Just-in-time-Lieferung. So regelt Auf- und Abbau ein webbasiertes Logistik-Leitsystem mit Zeitfenstermanagement. Das heißt: termingenaue Planung des Lieferverkehrs im Vorfeld und nach der Messe. Jeder mit einem Fahrzeug über 7,5 Tonnen, der auf das Gelände will, muss sich anmelden und bekommt ein Zeitfenster genannt, das in Echtzeit auch angepasst werden kann. „Davon profitieren die Aussteller, sie können ganz genau planen, ebenso wie die externen Speditionen, denen wir Auskunft geben können, wo sich ihr Fahrzeug aktuell befindet, und die Nachbarschaft, die nicht mehr unter den durch den Auf- und Abbauverkehr blockierten Straßen leidet“, so Tischer.

Es ist kein Alltagsjob, den Rolf Tischer hat, es ist eine dynamische Aufgabe für einen Gestalter. Die größte Herausforderung ist die Bauma: „Wir bauen hier alle drei Jahre eine kleine Stadt“. Sagt es – und strahlt über das ganze Gesicht.