„Es ist besonders, für uns zu arbeiten“

Was zeichnet die Messe München als Arbeitgeber aus? „Vieles“, sagt Jennifer Hader, die nach einer Laufbahn im Unternehmen mit nur 31 Jahren Personalchefin wurde

Von Christian Focken und Stefan Tillmann

Personalchefin Jennifer Hader hat als Auszubildende bei der Messe München angefangen. Heute sucht sie selbst nach den besten Talenten.

MM | Frau Hader, Sie sind vor 16 Jahren als Auszubildende bei der Messe München eingestiegen. Was hat sich seit damals geändert?

JENNIFER HADER | Wahnsinnig viel! Wir sind unglaublich gewachsen, wir haben neue Hallen gebaut, innovative Messen entwickelt und haben international expandiert. Die Anzahl unserer Mitarbeiter ist von 573 auf 1.095 weltweit gestiegen. Aber die Messe München hat sich nicht nur quantitativ verändert. Es gab einen echten Kulturwandel.

MM | Inwiefern?

HADER | Wir setzen stärker auf Mitarbeiterbeteiligung und forcieren den interkulturellen Austausch. Schließlich arbeiten über 300 Kollegen im Ausland, vor allem in China und Indien. Durch unser Employee Exchange Program unterstützen wir den Austausch. Darüber hinaus sind ganz neue Berufsbilder entstanden. Heute haben wir Digitalexperten an Bord, deren Jobs es vor 16 Jahren noch gar nicht gab.

„Bei uns gibt es das Beste aus beiden Welten“

Jennifer Hader

MM | Experten, die überall gesucht werden. Warum sollten sie gerade zur Messe München kommen?

HADER | Bei uns gibt es das „Beste aus beiden Welten“. Unsere derzeit 14 Mitarbeiter im noch jungen Digitalbereich erleben ein echtes Start-up-Feeling in einem etablierten, internationalen Unternehmen: Sie haben die Chance, Produktideen in hoher Eigenverantwortung auf der grünen Wiese zu realisieren, und haben unglaubliche Gestaltungsspielräume in einem High-Speed-Wachstumsumfeld.

Jennifer Hader, © DirkBruniecki

Jennifer Hader kam 2002 als Auszubildende zur Messe München. Heute ist die 32-Jährige Executive Director Human Resources.

MM | Bei so vielen Jobprofilen in verschiedensten Bereichen: Wie schaffen Sie da eine Corporate Identity?

HADER | Es ist etwas Besonderes, für die Messe München zu arbeiten. Dieses Gefühl versuchen wir jedem zu geben. Wir sehen uns als starkes Team, das seine Ziele erreicht, wenn es gemeinsam an einem Strang zieht. Für den Spaß, den viele an der Arbeit haben, spricht auch die hohe Zustimmung bei der Mitarbeiterbefragung 2017. Danach identifizieren sich 85 Prozent der Kollegen stark mit der Messe München als Arbeitgeber. Aber natürlich reichen ein gutes Gefühl und Spaß am Ende nicht. Es geht auch um konkrete Benefits.

MM | Zum Beispiel?

HADER | Das fängt im Kleinen an, beim Bike-Leasing, beim Zuschuss für unsere Kantine oder beim Sommer- und Weihnachtsfest. Aber die Hard Facts müssen stimmen. Und die stimmen: Wir haben ein faires und transparentes Vergütungssystem, wurden in 2015 mit dem „Deutschen Preis für Betriebliche Altersvorsorge“ ausgezeichnet. Auch in den Bereichen Weiterbildung und Gesundheit machen wir sehr viel. Für interne oder externe Seminare kann sich prinzipiell jeder anmelden. Und demnächst eröffnen wir sogar ein eigenes Gesundheitsstudio.

Human Resources 2.0

MM | Alle reden von New Work, einem neuen Verhältnis von Arbeit zu Freizeit. Inwiefern werden Sie dem gerecht?

HADER | New Work ist eines von vier strategischen HR-Kernzielen. Unter New Work verstehen wir zum einen die Gesundheit und das Wohlfühlen am Arbeitsplatz, aber auch Ansätze für agiles Arbeiten und flexible Arbeitszeitmodelle. Da passiert jede Menge. So schließen wir in Kürze eine Betriebsvereinbarung zu mobilem Arbeiten ab, um mehr Flexibilität zu ermöglichen. Unsere Büros werden moderner und offener gestaltet. Wir erproben intensiv, wie wir besser zusammenarbeiten und kommunizieren – und welche Tools uns dabei helfen. Und nicht zuletzt bieten wir auch einen Kinderbetreuungszuschuss, ein Eltern-Kind-Büro und bezahlen einen externen Familienservice, wenn Mitarbeiter diesen brauchen.

„Wir möchten deutschlandweit noch stärker als Top-Arbeitgeber wahrgenommen werden.“

Jennifer Hader

MM | Was sind denn die drei anderen strategischen HR-Kernziele?

HADER | People Development, Arbeitgeberattraktivität und strategische Personalplanung. Beim letzten Punkt geht es zum Beispiel darum, dass wir unseren Personalbedarf in enger Abstimmung mit den Fachbereichen vorausschauend planen, um nicht kurzfristig in Aktionismus zu verfallen. Bei der Personalentwicklung setzen wir den Fokus unter anderem auf attraktive Entwicklungswege für Experten und Führungskräfte. Hier bietet etwa unser neues Konzept zur Potenzialträgerentwicklung neue Chancen. Darüber hinaus arbeiten wir kontinuierlich an unserem internen Trainingsprogramm und passen uns damit den aktuellen Herausforderungen flexibel an. Und wir möchten deutschlandweit noch stärker als Top-Arbeitgeber wahrgenommen werden. Bewerber können sich seit Anfang 2018 auf unserer neuen Karrierewebsite informieren. Dort finden sie Statements von Mitarbeitern, die wir unverändert übernommen haben.

Jennifer Hader, © DirkBruniecki

Die People-Macherin: Jennifer Hader ist verantwortlich für die weltweit 1.095 Mitarbeiter der Messe München.

Die Belegschaft gestaltet das Unternehmen mit

MM | Weil Sie glauben, dass Unternehmenswerte für Mitarbeiter wichtig sind?

HADER | Ja, sie sind ihnen und uns wichtig. Und sie haben nachweislich einen positiven Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Deshalb haben unsere Mitarbeiter unsere fünf Unternehmenswerte mitentwickelt: Vertrauen, Teamgeist, Einsatzfreude, Verantwortung und Innovationskraft. Diese Teilhabe ist uns sehr wichtig.

MM | Wo kommt die Teilhabe noch zum Tragen?

HADER | Zum Beispiel bei den Führungsgrundsätzen. Auch sie wurden von den Kollegen mitentwickelt. Die Grundsätze greifen die Werte auf. Sie geben Orientierung, ermutigen zur Verantwortung, zur Veränderung, fördern Vielfalt und stärken die Achtung voreinander. Jeder Grundsatz hat einen Paten in der Geschäftsführung.

„Im Reverse-Mentoring-Programm sagt die Jugend, was Sache ist.“

Jennifer Hader

MM | Werte und Führungsgrundsätze müssen aber auch gelebt werden ...

HADER | Genau. Das bringt mich zum sechsten Führungsgrundsatz, der heißt: Position beziehen und Feedback geben. Auch dazu kamen aus der Belegschaft viele Ideen, wie wir die Führungsgrundsätze leben und kontrollieren können. Im Rahmen unserer HR-Tools werden wir künftig ein Leadership-Feedback einführen.

MM | Ihre Digital Natives sagen Ihren Top-Führungskräften ja heute schon, was im Netz so passiert ...

HADER | Ja, im Reverse-Mentoring-Programm sagt die Jugend, was Sache ist. Alle Geschäftsführer und Bereichsleiter haben einen jungen Mentor. Sie treffen sich regelmäßig und tauschen sich aus. Dann berichtet der Digital Native von neuen Trends im Netz, auf Social-Media-Kanälen und bei Apps. Meine Mentorin macht mich zum Beispiel auch auf skurrile HR-Formate aufmerksam. Und ich frage sie umgekehrt, was sie von unseren HR-Ideen hält.

„Bei der Messe München gibt es viele tolle Erfolgsgeschichten.“

Jennifer Hader

MM | Mit 32 Jahren sind Sie ja selbst fast noch ein Digital Native. Wie wurden Sie so jung Personalchefin?

HADER | Mit Fleiß, Ehrgeiz und einer großen Leidenschaft für das Thema HR – all das war wichtig. Ich habe mein Studium und aufbauende Entwicklungsprogramme parallel zu einer 40-Stunden-Woche absolviert – da muss man dranbleiben. Die Messe München hat mich dabei immer gefördert. Und nicht nur mich: Bei der Messe München gibt es viele tolle Erfolgsgeschichten.

MM | Und wie schaffen Sie persönlich den Ausgleich zwischen Job und Privatleben?

HADER | Das fällt mir eigentlich leicht. Wenn ich abends auf meine Vespa steige, kann ich sehr gut abschalten. Und das Wochenende ist mir heilig. Es klingt vielleicht altmodisch, aber auch das ist ein Teil von New Work: auch mal nicht zu arbeiten.