Auf der Welle des Wachstums schwimmen

2018 war ein Spitzenjahr für die Messe Muenchen Shanghai. Die Besucherzahlen steigen in allen wichtigen Branchen. Der CEO Edwin Tan spricht darüber, was die schnelllebige chinesische Eventbranche so spannend macht

Von Vicki Sussens (Magazin der Messe München 02/2018)

Edwin Tan ist CEO der Messe Muenchen Shanghai. Im Video spricht er über die Zukunft des China-Geschäfts des Unternehmens.

China gehört zu den am schnellsten wachsenden Märkten der Welt mit einem großen Bedarf an Spitzentechnologie, und Edwin Tan ist genau der richtige Mann für diesen Markt. Im März 2017 hat er als CEO bei der Messe Muenchen Shanghai angefangen. „Um die Volksrepublik China kommt aufgrund ihres riesigen Verbrauchermarkts kein weltweit tätiges Unternehmen herum“, sagt er.

Tan hat viele Jahre damit verbracht, internationale Strategien in der chinesischen Eventbranche umzusetzen. Seitdem ist die chinesische Messe zu dem herangereift, was er die „wahre Definition einer Messe“ nennt: eine Handelsplattform. „Früher haben westliche Firmen nur an chinesischen Messen teilgenommen, um zu verkaufen. Heute wollen sie auch kaufen.“

Edwin Tan, © bakaspictures

Edwin Tan wechselte im März 2017 als CEO zur Messe Muenchen Shanghai.

Eine weitere Veränderung bestehe darin, dass ausländische Aussteller ihre Vertriebsnetze weiterentwickeln, um Zugang zu weniger bedeutenden Teilen Chinas zu erhalten. Tan erwartet einen großen Wandel: „Gegenwärtig stellen die Messen in China eine Erweiterung der Messe München dar. Aber China überholt in vielen Bereichen gerade andere Länder, sodass wir in naher Zukunft mit ,Mutter‘-Ausstellungen in China rechnen können.“

Unterdessen vergrößert sich durch die Präsenz der Messe München in China die Fläche in der bayerischen Landeshauptstadt aufgrund der wachsenden chinesischen Beteiligung. „Noch wichtiger ist, dass wir dafür gesorgt haben, dass wichtige Käufergruppen nach München reisen. Zudem haben chinesische Regierungsvertreter über unsere Geschäftsstelle in Shanghai mehrere Reisen zur Förderung des Handels unternommen.“

Ehrgeizige Wachstumsstrategie

All dies macht die chinesische Eventbranche sehr spannend für Tan, der beim Vorantreiben neuer Initiativen aufblüht. Nun treibt er eine ehrgeizige Wachstumsstrategie für die Messe München in China voran. Das ist nur logisch: Die Volksrepublik ist die größte Geschäftsregion der Messe München. Sie ist außerdem das einzige Land, in dem die Messe München – gemeinsam mit drei Partnern – ein weiteres Messegelände betreibt: das Shanghai New International Expo Centre (SNIEC). Es ist das erfolgreichste Messegelände der Welt.

Der Gang nach China vor mehr als 15 Jahren war ein wesentlicher Bestandteil der Internationalisierungsstrategie des Münchner Unternehmens und zahlt sich aus. „Mit den staatlichen Initiativen zur Ankurbelung der Wirtschaft werden Ausstellungen als Plattform für Ideenaustausch, Handel, Beschaffung und Partnerschaften auch weiterhin erfolgreich sein.“

„Made in China 2025“ verwandelt das Reich der Mitte schon jetzt in eine Produktionsmacht, „Internet Plus“ zielt darauf ab, die sich verlangsamende Konjunktur durch Digitalisierung wieder zu stimulieren, und die Billionen Dollar teure „Neue Seidenstraße“ belebt die Handelsrouten von China nach Europa neu und versetzt die Logistikbranche in Euphorie. „Diese Maßnahmen, in Verbindung mit einer stabilen chinesischen Währung, dem Schutz der geistigen Eigentumsrechte und einem starken Rechtsrahmen, fördern den Handel und verleihen unseren Messen mehr Zugkraft“, berichtet Tan.

Die Industrie boomt

Tatsächlich erweist sich 2018 als Spitzenjahr für die Messe Muenchen Shanghai, denn in allen wichtigen Bereichen boomt die Industrie. So haben etwa strengere Umweltrichtlinien einen enormen Bedarf an hochwertigen Umwelttechnologien und -lösungen generiert. Dies resultiert in den Spitzenzahlen der von der Messe München veranstalteten IE expo China 2018, die einen Anstieg um 21 Prozent bei den Besuchern und um 28 Prozent bei der Ausstellungsfläche verzeichnete und rekordverdächtige 400 Begleitveranstaltungen umfasste.

Auch die Laserindustrie gedeiht dank des Fokus von „Made in China“ auf die intelligente Fertigung. Dies hat zu einer steigenden Nachfrage nach optischer und photonischer Technologie geführt, was sich in dem Rekord von 55.872 Besuchern der Laser World of Photonics China 2018 widerspiegelt.

Edwin Tan, © bakaspictures

Edwin Tan verfolgt eine ehrgeizige Wachstumsstrategie für die Messe München in China. Mit gutem Grund: Die Volksrepublik ist die größte Geschäftsregion der Messe München.

Wir können vorhersagen, in welche Richtung sich chinesische Unternehmen entwickeln. Edwin Tan

Um auf der Welle des Booms mitzuschwimmen, ist die Messe München laut Tan dank ihrer fundierten Branchenkenntnisse in einigen der dynamischsten Märkte – Automatisierungstechnik, Elektronik, Gebäudebau, Sport, Umwelt, Baustoffe und Transportlogistik – gut aufgestellt. „Das bedeutet, dass wir die neuesten Trends kennen und vorhersagen können, in welche Richtung sich chinesische Unternehmen entwickeln“, sagt Tan.

Derzeit belegt die Messe München in China, bezogen auf die jährliche Quadratmeterzahl, Platz sieben, innerhalb der nächsten zehn Jahre will Tan die Top Fünf erreichen. Das Wachstum soll durch die Ausweitung der Aktivitäten auf verschiedene Teile Chinas und Asiens erzielt werden. Gleichzeitig werden weitere Konferenzen und Messen hinzukommen. Neu eingeführt werden etwa LEAP, eine umfassende Messe zu den Themen Elektronikfertigung und automatisierte Fabrik im Oktober 2018 in Shenzhen, Labtechnica, eine Labortechnikmesse in Shanghai im November 2019, und Machine Vision – neue Veranstaltungen im Jahr 2019 in Peking und Shenzhen.

In der Zwischenzeit treibt Tan die Digitalisierung voran: „Im letzten Jahr haben wir eine Software eingeführt, um den Vertrieb zu verbessern. Außerdem sind wir zurzeit dabei, Software zur Optimierung des Besuchermanagements fertigzustellen.“ Auf die Frage, worauf gerade sein Hauptaugenmerk liegt, antwortet er mit einem leisen, zufriedenen Lachen: „Auf allem, was ich gerade genannt habe!“