Der Baumeister

Mirko Arend hat die Bauwirtschaft im Blut: Er wäre eigentlich in dritter Generation Bauunternehmer geworden. Wenn er nicht lieber hätte herausfinden wollen, wie man die Zukunft vorhersagt. Heute nutzt ihm das bei seinem Job als Chef des Bau-Netzwerkes bei der Messe München.

Mirko Arend verantwortet das Bau-Netzwerk der Messe München. Im Video gibt er einen Einblick in die Zukunft des Bauens.

Vor allem fasziniert von Wahlprognosen, die „unheimlich nah“ am tatsächlichen Ergebnis lagen, studierte Mirko Arend BWL/Marketing mit Schwerpunkt Statistik, um zunächst klassisch in der Marktforschung zu arbeiten. Für die GfK in Nürnberg befasste er sich insbesondere mit internationalen Absatzmärkten. Für DHL kalkulierte er den Geschäftsplan und lernte, welche gravierenden Auswirkungen es haben kann, wenn man mal drei Prozent in der Planung danebenliegt.

Die Bauwirtschaft wurde dann doch noch seine Bestimmung. Das hatte selbst er nicht vorhersehen können. Nach Stationen in der Marktforschung und im New Business Development bei der Messe München wird er 2010 Projektleiter der Bau, der Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme. „Ich kannte die Branche und das Handwerk vom Familienbetrieb. Das war ein erstes gutes Fundament. Das zweite gute Fundament war und ist das erfahrene Projektteam der Bau“, sagt Arend.

China ist der weltweit größte Baumarkt, er hat das doppelte Volumen der USA. Mirko Arend, Projektleiter der Bau

Die Analyse-Brille und den Willen, Dinge voranzubringen, legte er deshalb nicht ab. In gewisser Weise verprobte sich Arend selbst im Messegeschäft, bis er anfing, wieder mit der Zukunft zu jonglieren. „China ist der weltweit größte Baumarkt, er hat das doppelte Volumen der USA“, erklärt Arend. Gemeinsam mit seinem Messe-Team und den Kunden der Bau testete er von 2014 bis 2016 das Potenzial mit einem kleineren Format, einem Kongress mit begleitender Ausstellung in Peking.

„Bei den Vorträgen standen die Leute bis in die Gänge hinein, auch die Aussteller wurden förmlich überrannt.“ Dieser erfolgreiche erste Schritt und der darauf aufbauende spätere Kauf der Fenestration China münden nun über die Fenestration Bau China in der Bau China, die jährlich abwechselnd in Peking und Shanghai stattfindet.

Mirko Arend, © Dirk Bruniecki
© Dirk Bruniecki

„Wir müssen immer einen Tick vor der Branche sein“, sagt Mirko Arend, Projektgruppenleiter des Bau-Clusters.

Internationale Absatzmärkte zu erkennen ist das eine, die Branche selbst dabei zu begleiten, die Zukunft des Bauens zu gestalten, ist das andere: „Wir müssen uns stetig selbst neu erfinden, ohne unser Fundament zu konterkarieren. Wir müssen immer einen Tick vor der Branche sein, um Ideen frühzeitig in die Messen zu integrieren“, sagt Arend. Die Bauwirtschaft ist zunehmend gefordert, im Spannungsfeld der Megatrends Nachhaltigkeit, Urbanisierung und Digitalisierung ihren Weg zu finden. Komplexe Projekte müssen mit möglichst hoher Umweltverträglichkeit umgesetzt werden.

Wir stehen vor der Frage: Wie müssen sich Messen im digitalen Zeitalter entwickeln, um als Plattform zu funktionieren? Mirko Arend

Da hilft vor allem eines: clevere IT und Automatisierung an den Schnittstellen Planen, Bauen und Unterhalten einer Immobilie. Auf der Bau 2019 in München füllte die Bau-IT bereits eine Halle, ab Februar 2020 bekommt die Bausoftware sogar ihre eigene Veranstaltung in Köln, die DigitalBau, eine Kooperation der Messe München mit dem Bundesverband Bausoftware (BVBS). Sie findet in den Zwischenjahren der Bau statt. Die Bau-IT braucht kürzere Zyklen, um sich auszutauschen, und ein eher unkonventionelles, agiles Event-Konzept.

So ist die Ausstellung wie eine digitale Datenbahn angelegt. „Wir sehen es als gut vorbereitetes Experiment: Wie müssen sich im digitalen Zeitalter Messen entwickeln, um als Plattform zu funktionieren?“, fragt Arend sich selbst und fährt mit der Hand durch seine Igelfrisur. Er weiß es nicht, noch nicht.

DIE ZUKUNFT DES BAUENS

beginnt in Köln: Die erste digitalBAU findet vom 11. bis 13. Februar 2020 auf dem Messegelände der Domstadt statt.

Von Petra Kratzert. Der Artikel erschien erstmalig im Messe München Magazin 02/2019.