Die Lichtgestalt

Claudia Sixl kam als Fachfremde zur Laser World of Photonics. Heute ist die Projektgruppenleiterin bestens mit der Materie vertraut – und beleuchtet im internationalen Netzwerk die Entwicklungen einer Zukunftsbranche

Projektgruppenleiterin Claudia Sixl über die Bedeutung der Photonik – und wie sie unseren Alltag verändern wird.

Bevor Claudia Sixl zur Sache kommt, greift sie in ihre Handtasche – und holt einen roten VW Beetle hervor. Anhand des Modellautos erklärt die 50-Jährige, wie wichtig die Photonik allein in der Mobilität ist: Karosserien werden mit Lasern geschnitten und geschweißt. Sensoren messen die Abstände zur Umgebung und ermöglichen so künftig autonomes Fahren. Displays und Anzeigeelemente bestehen aus LEDs, die Scheinwerfer strahlen immer öfter mit Laserlicht. Und wer ein unwillkommenes Schwarz-Weiß-Foto in der Post findet, wurde vermutlich von einem Laserradargerät erwischt.

Claudia Sixl weiß, dass man die unendliche Welt der Photonik am besten anhand praktischer Beispiele erklärt. Aus eigener Erfahrung, schließlich hat die Projektgruppenleiterin des Laser-World-of-Photonics-Netzwerks ihre Karriere in einem ganz anderen Feld gestartet. Der erste Job führte Sixl in die Public Relations. Zuvor studierte sie Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Volkswirtschaft. „Ich bin über die Jahre natürlich keine Physikerin geworden“, sagt Sixl heute. Die Bedeutung der Photonik hat die 50-Jährige dennoch verinnerlicht.

Es gibt so viele Dinge, die wir ohne diese Technologie heute nicht tun könnten Claudia Sixl, Projektgruppenleiterin Messe München

Vereinfacht gesagt, hilft die Photonik dabei, die einzigartigen Eigenschaften des Lichts zu nutzen. Etwa dessen Geschwindigkeit oder Fokussierbarkeit. „Es gibt so viele Dinge, die wir ohne diese Technologie heute nicht tun könnten – vor allem auch in der Medizin“, sagt Sixl. Und dabei soll es natürlich nicht bleiben. „Es ist spannend, den passionierten Forschern zuzusehen, die zusammen mit der Industrie weiterarbeiten und immer wieder Neues hervorbringen.“ Um mit den Experten mitreden zu können, hat Claudia Sixl ihre Hausaufgaben gemacht: viel gelesen, zugesehen und mit Kunden und Partnern gesprochen.

Claudia Sixl, © Dirk Bruniecki

Claudia Sixl begann ihre Karriere in der Medienbranche. Heute verantwortet sie als Projektgruppenleiterin unter anderem die Laser World of Photonics.

Foto: Dirk Bruniecki

Das Messewesen lernte Claudia Sixl bei der IMAG kennen, einer Tochtergesellschaft der Messe München. 2001 hat sie dann die Laser World of Photonics übernommen – die Weltleitmesse für Komponenten, Systeme und Anwendungen der Photonik. Über die Jahre kamen für Sixl die Auslandsmessen in China und Indien hinzu. Später vervollständigte das analytica-Netzwerk ihr Portfolio – mit der weltweit wichtigsten Messe für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie und ihren regionalen Leitmessen in Asien und Südafrika.

Schwerpunkte der Weltleitmesse Laser World of Photonics in München sind dieses Jahr unter anderem Laser für die Fertigung sowie Imaging und Sensorik. Deren Systeme sollen den Weg für smarte Städte ebnen, für autonomes Fahren und die Industrie 4.0. Claudia Sixl und ihr Projektteam erwarten etwa 1.300 Aussteller aus 42 Ländern. Die 32.000 Fachbesucher sollen sogar aus 75 Ländern anreisen. „Daran und am Erfolg unserer Messen im Ausland sieht man, dass die Photonik eine extrem internationale Branche ist“, sagt Sixl. „Hier wird sowohl in der Forschung als auch in der Industrie global zusammengearbeitet.“

Laser World of Photonics: Technologien der Zukunft

Bei ihrer Premiere 1973 war die Messe zwar um einiges kleiner, jedoch ähnlich international. Und schon damals hat sich die Photonik als Zukunftssparte hervorgetan. „Da wurde Technologie ausgestellt, die noch ihre Anwendung suchte“, erzählt Claudia Sixl und lacht. Heute kann man die neuen Produkte und Entwicklungen der Branche kaum erwarten. Weit oben auf der Wunschliste steht etwa der Quantencomputer. Er soll eines Tages komplizierte Aufgaben in der Chemiebranche lösen oder die Entwicklung von künstlicher Intelligenz vorantreiben. „Das ist ein ganz großes, spannendes Zukunftsthema, das wir auch auf der Messe thematisieren.“

Theorie und Praxis verzahnen – neben der eigentlichen Messe leistet das auch der dazugehörige Kongress. Auf dem World of Photonics Congress findet vor allem die Forschung zusammen. Zu den hochkarätigen Sprechern zählen immer wieder Nobelpreisträger, die mit Hilfe von Laser- und Photoniktechnologien bahnbrechende Fortschritte in der Wissenschaft erzielt haben. Claudia Sixl ist darauf stolz: „Es freut mich sehr, dass unser Team es immer wieder schafft, diese angesehenen Forscher nach München auf den Kongress zu bringen.“

Die Photonik begeistert immer mehr junge Menschen

Wer sich so viel mit der Zukunft beschäftigt, fasst natürlich schon heute die Generation von morgen ins Auge: „Start-ups und Nachwuchsförderung sind ganz wichtig und so ein bisschen das Salz in der Suppe“, sagt Sixl. Um die jungen Leute auf den Geschmack zu bringen, werden im Rahmen der Laser World of Photonics ein Start-up-Award verliehen und ein Makeathon veranstaltet. Letzteres ist eine Wortschöpfung aus „Make“ und „Marathon“.

Hier entwickeln Studenten innerhalb von 24 Stunden einen Prototyp im Bereich der Photonik und präsentieren ihn vor einer Jury. Dass das Interesse an Technologie generell gestiegen ist, hat Claudia Sixl längst erkannt: „Die Photonik ist besonders für junge Leute spannender als früher, wo das nur ein Thema für Physiker war.“ Das ist es heute definitiv nicht mehr – Claudia Sixl weiß das aus eigener Erfahrung.

Von Katarina Baric. Der Artikel erschien erstmalig im Messe München Magazin 01/2019.