„Wir bringen Entscheidungsträger aus ganz Afrika zusammen!“

Suzette Scheepers, CEO der Messe München South Africa, erklärt, wie es über Messen gelingen kann, internationale Unternehmen mit afrikanischen Akteuren zusammenzubringen.

Suzette Scheepers leitet die südafrikanische Tochtergesellschaft der Messe München. Im Video spricht sie über den wachsenden Markt und dessen aktuelle Herausforderungen.

MM | Wie würden Sie den Messemarkt in Südafrika beschreiben?

Suzette Scheepers | Messen gelten in Südafrika zunehmend als Marketing-Plattformen, die größte Wirkung erzielen und Möglichkeiten für persönliche B2B-Treffen eröffnen. Jedoch ist das Publikum hier kleiner und branchenfokussierter als bei Messen in Nordamerika und Europa. Dies liegt an der kleineren Bevölkerung und der weiten Anreise, die Messebesucher zurücklegen müssen.

Suzette Scheepers, © Trade Projects
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Voller Zuversicht blickt Suzette Scheepers auf den Kontinent, der so stark wächst und ihr dadurch einen spannenden Job garantiert.

MM | Das stimmt! Afrika ist wirklich groß!

Scheepers | Aus diesem Grund sind Messen effektiv. Das Reisen durch Afrika kann kostspielig, komplex und zeitaufwendig sein. Da kann die Organisation von Meetings mit den richtigen Entscheidungsträgern zur Herausforderung werden. Wir bringen Entscheidungsträger aus ganz Afrika unter einem Dach zusammen. Der Aufbau von geschäftlichen Netzwerken und Beziehungen ist wesentlicher Bestandteil der afrikanischen Unternehmenskultur.

MM | Inwiefern geben die Teilnehmerzahlen Aufschluss über das Marktwachstum?

Scheepers | Sowohl die Anzahl der internationalen Aussteller als auch die der Messebesucher aus ganz Afrika ist angestiegen. Dies zeigt, dass das internationale Interesse an einer Expansion auf den gesamtafrikanischen Markt wächst. Gleichzeitig sind Marktakteure aus ganz Afrika auf der Suche nach den fortschrittlichsten Lösungen für ihre jeweiligen Herausforderungen.

Fortschrittliche Technologien können Afrika dabei helfen, direkt in das Zeitalter der vierten industriellen Revolution zu springen. Suzette Scheepers, CEO Messe München South Africa

MM | Sehen wir uns diese Herausforderungen einmal genauer an. Wie gehen Sie das an?

Scheepers | All unsere Messen – Air Cargo Africa, Analytica Lab Africa, Food & Drink Technology Africa, Ifat Africa und Bauma Conexpo Africa – betreffen zentrale Wachstumsbereiche. Angesichts der rasant wachsenden Bevölkerung, die sich von jetzt 1,2 Milliarden Menschen bis 2050 verdoppeln dürfte, ist beispielsweise geplant, stark in die infrastrukturelle Entwicklung zu investieren. Dies umfasst Investitionen in den Städtebau, in Kommunikationsinfrastruktur, in Gewerbegebiete, in afrikaweite Logistikkorridore, in wasser- und abfallwirtschaftliche sowie in Strominfrastrukturen. Die Entscheidungsträger des Kontinents sind dabei häufig mit Budgetbeschränkungen konfrontiert. Dennoch sind sie darauf erpicht, fortschrittliche neue Lösungen zu erforschen, mit denen sich Ergebnisse schneller, effizienter und kostengünstiger erzielen lassen.

MM | Eine der größten Herausforderungen ist die Wasserbewirtschaftung. Wie geht die Ifat Africa dieses Problem an?

Scheepers | Experten haben wiederholt vor einer drohenden Wasserkrise in Südafrika gewarnt. Sie gaben ihrer Sorge Ausdruck, dass mehr als drei Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und mehr als 14,1 Millionen keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen haben. Hinzu kommt, dass der Zustand von 56 Prozent aller Abwasserbehandlungs- und von 44 Prozent aller Wasseraufbereitungsanlagen in Südafrika als schlecht oder kritisch eingestuft wurde. Elf Prozent der Anlagen werden als funktionsuntüchtig angesehen. Öffentliche und private Akteure zeigen sich angesichts dieser Situation tief besorgt und suchen aktiv nach Lösungen. In anderen Gebieten Afrikas verschlimmert der Klimawandel die Wasserknappheit. Für diese Länder wird es immer wichtiger, verfügbare Wasserressourcen effektiv aufzubereiten und zu verwalten. Ifat Africa bringt diese öffentlichen und privaten Stakeholder für einen intensiven Wissensaustausch an einen Tisch. Durch die Vorstellung fortschrittlicher Technologien aus der ganzen Welt gelingt es der Messe, die Debatte zu befeuern und die Beteiligten bei der Lösungsfindung zu unterstützen. Viele Akademiker, Regierungsbeamte und Akteure aus dem privaten Sektor nehmen an der Ifat teil.

Lösungen aus der ganzen Welt entdecken

MM | Die Ifat Africa hat 2019 einen Besucherzuwachs von 83 Prozent verzeichnet. Wie lässt sich das erklären?

Scheepers | Unsere der Messe vorausgehende Marketing- und Social-Media-Kampagne schärfte das Bewusstsein für das Thema, indem sie auf Expertenmeinungen zu Problemen und Lösungen ausgerichtet war. Zudem bot unsere Konferenz spannende Gespräche zu Wasser- und Abfallthemen. Insgesamt konnten wir 172 Aussteller aus 19 Ländern und 3.302 Besucher aus Südafrika, Botswana, Kamerun, der Elfenbeinküste, Mosambik, Swasiland, Tansania, Tunesien, Sambia und Simbabwe begrüßen.

MM | Wichtiger Schwerpunkt der Bauma Conexpo Africa ist der Austausch von Informationen. Warum ist dies so wichtig?

Scheepers | Afrika verzeichnet nicht nur einen raschen Bevölkerungszuwachs, sondern auch eine rasante Urbanisierung. Eine wichtige Herausforderung besteht also darin, moderne, dichte und kostengünstige Wohnungslösungen sowie eine für die rasche Urbanisierung ausgelegte Infrastruktur zu entwickeln. Für die Bewältigung dieser Herausforderungen bleibt nur wenig Zeit. Die Bauma Conexpo Africa bietet eine Plattform, über die man durch intensiven Wissensaustausch von anderen lernen und Lösungen aus der ganzen Welt entdecken kann.

Suzette Scheepers, © Trade Projects
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„Der Aufbau von Netzwerken ist wesentlicher Bestandteil der afrikanischen Unternehmenskultur“ – Suzette Scheepers

MM | Das Bauma-Rahmenprogramm umfasst auch Themen wie „Smart Construction“ oder 3D-gedruckte Bagger. Inwieweit lassen sich diese futuristischen Szenarien auf Afrika anwenden?

Scheepers | Afrika ist sehr daran interessiert, fortschrittliche Technologien einzusetzen, die es dem Kontinent ermöglichen, direkt in das Zeitalter der vierten industriellen Revolution zu wechseln. Im Bankwesen und Telekommunikationsbereich konnte Afrika die Welt mit digitalen Innovationen beeindrucken.

MM | In diesem Jahr fanden die Ifat, die Food & Drink Technology Africa und die Analytica zeitgleich statt. Warum?

Scheepers | Die Bereiche Wasser und Abfall, Analytik und Lebensmittel sowie Getränke überlappen sich auf verschiedene Weise. Die Analytik kommt in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz; die Abfall- und Wasserwirtschaft beeinflusst die Lebensmittelindustrie und auch für den Abfall- und Wassersektor ist die Analytik von entscheidender Bedeutung. In Umfragen stellte sich heraus, dass die Teilnehmer von food & drink technology Africa mehr Informationen zu Tests, Wasser, Pumpen, Wasseraufbereitung und Recycling erhalten wollen. Die Teilnehmer der Analytica Lab Africa wünschten sich wiederum sektorübergreifend Zugang zu neuen Märkten. Die Zusammenlegung der Messen ermöglichte es, sich über Sektoren hinweg zu Erkenntnissen und Produkten auszutauschen. Alles in allem belegten die drei Fachmessen eine Fläche von 17.000 Quadratmetern, verteilt über vier Messehallen und einen Außenausstellungsbereich. Insgesamt präsentierten 385 Aussteller ihre Lösungen und Produkte den 8.324 Besuchern aller drei Messen.

Wir sind stets auf der Suche nach innovativen Wegen für noch mehr Mehrwert. Suzette Scheepers

MM | Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Was treibt Sie als Führungskraft an?

Scheepers | Wie die meisten Südafrikaner engagiere ich mich stark für die Entwicklung und den Erfolg unseres Landes. Es ist sehr erfreulich, dass ich mein Team zu Bestleistungen inspirieren kann, die letztendlich dem wirtschaftlichen Wachstum unseres Landes und des gesamten Kontinents zugute kommen.

MM | Was begeistert Sie am Messegeschäft?

Scheepers | Wie alle Branchen durchläuft auch die Messeindustrie – bedingt durch den digitalen Fortschritt – einen dramatischen Wandel. Wir sind heute in der Lage, unseren Ausstellern und Besuchern einen Mehrwert zu bieten, indem wir innovative digitale Technologien nutzen, um Informationen auszutauschen und das Messeerlebnis zu bereichern. Es ist eine spannende Angelegenheit, neue Trends zu nutzen, um unsere Aussteller- und Besuchererfahrung stetig zu verbessern!

MM | Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Scheepers | Wir sind der Ansicht, dass jedes erfolgreiche Event beim nächsten Mal noch verbessert werden kann. Wir sind stets auf der Suche nach innovativen Wegen für noch mehr Mehrwert. Dank unserer ausgedehnten Kampagne in den klassischen und in den sozialen Medien können wir ein breites Publikum weit über die tatsächlichen Besucherzahlen hinaus erreichen. Durch die Organisation und Veranstaltung von Messen in Deutschland, China und Indien haben wir viel Erfahrung gesammelt. Und zu guter Letzt sind wir ein kleines, aber effizientes Team! Wir arbeiten eng mit einem Netzwerk an Partnern und Spezialisten zusammen und sind in unserer Region gut dafür bekannt, dass wir persönliche Unterstützung leisten und auf Details achten.

Von Vicki Sussens. Der Artikel erschien erstmalig im Messe München Magazin 02/2019.