Geschäftsbericht 2020

Geschäftsbericht 2020

VORWORT AUFSICHTSRAT

Gut gerüstet für den Wandel.

Wie gut ein Unternehmen aufgestellt ist, zeigt sich besonders in der Krise. Über zehn Jahre hinweg hat die Messe München Top-Umsätze erzielt und ist so zu einem der weltweit erfolgreichsten Messeveranstalter geworden. Das Unternehmen hat damit nicht nur das Vertrauen seiner Gesellschafter immer wieder aufs Neue gerechtfertigt. Es wird auch als verlässlicher und sympathischer Vertreter des Freistaats Bayern und der Landeshauptstadt München im In- und Ausland anerkannt.

Die Corona-Pandemie hat uns allen viel abverlangt – gesundheitlich, wirtschaftlich, menschlich. Ein Prüfstein für jeden Einzelnen und für unsere Gesellschaft als Ganzes. In der Krise hat sich noch einmal gezeigt, wofür wir als Gemeinschaft stehen: für Solidarität und Zusammenhalt, aber auch für strategisches Denken und konsequentes Handeln. Diese Tugenden sind es, die uns zu dem gemacht haben, der wir sind. Und es sind genau diese Tugenden, die auch das Unternehmen Messe München vertrauensvoll in eine bessere Zukunft blicken lassen.

Die Messe München hat die Zeit des erzwungenen Stillstands bei internationalen Großveranstaltungen gut genutzt. Während auf dem Messegelände in Riem das Einsatzzentrum der Contact Tracing Teams des Gesundheitsamts einzog und das Impfzentrum der Stadt München entstand, haben Unternehmensführung und Mitarbeiter aus dem Homeoffice heraus die Weichen neu gestellt. Ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm und eine konsequente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells sind die Eckpfeiler einer neuen Strategie, mit der schon bald an alte Erfolge angeknüpft werden soll. Der Weg in die Zukunft wird insbesondere von digitalen Innovationen geprägt, mit denen das Unternehmen seinen Führungsanspruch in der Branche unterstreicht. Neben all den notwendigen Einschnitten und sinnvollen Maßnahmen aber wird das Vertrauen in den künftigen Erfolg nicht zuletzt von der zuversichtlichen Einstellung genährt.

Hubert Aiwanger

STAATSMINISTER
HUBERT AIWANGER

„Messen sind das beste Konjunkturprogramm und werden dringend benötigt. Der Neustart des bayerischen Messegeschäfts kann entscheidend dazu beitragen, die wirtschaftlichen Folgen der Corona- Pandemie in vielen Branchen zu überwinden. Für unsere exportorientierte bayerische Wirtschaft sind Messen das Schaufenster in die Welt. Und auch für viele Servicepartner oder Dienstleister in Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Reinigung und Sicherheit, im Verkehrssektor oder im Handwerksbereich sind Messen ein bedeutender Faktor für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in der Nach-Corona-Zeit. Die bayerischen Messegesellschaften haben sich in den vergangen Jahren eine Spitzenposition im weltweiten Messemarkt erarbeitet, die es zu erhalten gilt. Deshalb ist es wichtig, Messeveranstaltern, Ausstellern und Besuchern jetzt Planungssicherheit für eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Messebetriebs zu geben.“

Hubert Aiwanger

OBERBÜRGERMEISTER
DIETER REITER

„2020 wurde die Erfolgsgeschichte der Messe durch die Corona-Pandemie jäh unterbrochen. Umso wichtiger war und ist es, die Zeit zu nutzen und mit neuen Ansätzen und Ideen in die Zukunft zu starten. Diesen Schritt hat die Messe München gemacht!“

FÜR DEN AUFSICHTSRAT
Staatsminister Hubert Aiwanger
Vorsitzender
Oberbürgermeister Dieter Reiter
1. stellvertretender Vorsitzender
Franz Xaver Peteranderl
Weiterer stellvertretender Vorsitzender
Ulrike Bauer
Weitere stellvertretende Vorsitzende

VORWORT GESCHÄFTSFÜHRUNG

Die Geschäftsführung im Webmeeting

Mit Zuversicht und Strategie zurück in die Zukunft.

Die Messewirtschaft steht vor einer einschneidenden kulturellen Veränderung. Dieser Prozess hat schon vor der Corona-Pandemie begonnen, ist jetzt aber durch die Krise beschleunigt worden. Die klassische Präsenzmesse wie wir sie kannten und über Jahrzehnte hinweg erfolgreich veranstaltet haben, wird es so in Zukunft wohl nicht mehr geben. Der Umbruch der gesamten Branche ist in vollem Gange, und er fordert auch von der Messe München eine Neuausrichtung.

Corona hat unser Unternehmen wie eine Naturkatastrophe mit voller Wucht getroffen. Der Erfolgskurs der vergangenen Jahre, der im Mega-Rekordjahr 2019 gipfelte, wurde jäh unterbrochen. In der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg stand auch unsere gewohnte Welt monatelang weitestgehend still. Die Folgen werden noch lange nachwirken. Aber wir haben rasch und entschlossen reagiert, konsequente Entscheidungen getroffen, um noch stärker aus der Pandemie herauszukommen.

Und so blicken wir mit Zuversicht in die Zukunft. Denn wer jetzt die richtigen Entscheidungen trifft, hat die Möglichkeit, weiterhin vorne zu bleiben. Unser Ziel ist es, unsere Top- Position im weltweiten Ranking der Messegesellschaften zu halten und auszubauen. Dafür haben wir eine gesamthafte Transformation des Unternehmens eingeleitet, um künftig mit noch effizienteren Strukturen neue Wachstumsfelder besetzen zu können. Dieser Wandel wird sicherlich kein Sprint, sondern ein Marathon werden.

Wie sieht die Messe der Zukunft aus? Wir als Messe München haben die große Chance, den Weg dorthin entscheidend mitzugestalten und zu prägen. Aus unserer Sicht wird eine erhöhte Kundenzentriertheit immer wichtiger werden. Darüber hinaus haben wir uns in den kritischen Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit den Ruf als Thought Leader und Innovator der Branche erarbeitet. Dieses Potenzial werden wir nutzen, um in den kommenden Jahren unsere Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben.

Unterschriften

STRATEGIE 2020

Ein Unternehmen auf der Überholspur …

Für die Messe München führte der Weg jahrelang steil nach oben. 2019 endete als Mega- Rekordjahr. Mit 474,2 Millionen Euro Konzernumsatz rückten wir von Position 6 auf 5 im weltweiten Ranking der Messegesellschaften vor. Und unser Ziel war klar und strategisch bestens fundiert: weiteres Wachstum, mehr Umsatz. Die Position nicht nur halten, sondern ausbauen.

Diagramm, Konzernumsatz 2019

… und dann kam die Vollbremsung.

Die Corona-Pandemie traf uns in voller Fahrt. Sie erzwang einen nahezu abrupten Stillstand. Gleich einer Naturkatastrophe stürzte sie die Messewirtschaft in eine ihrer größten Krisen. Wie ausgestorbene Citys, leere Flughäfen, verwaiste Messehallen. Unsere Welt stand plötzlich still. Statt Weltleitmessen und internationaler Großevents beherbergten unsere Hallen nun das Impfzentrum für München und die Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamts. Weltweit wurden rund 4.000 Messen abgesagt oder verschoben, 900 davon allein in Deutschland.

Diagramm, Konzernumsatz 2020

Wir haben die Zeit genutzt – und die Weichen neu gestellt.

Das Innehalten in den Monaten, da der Messebetrieb untersagt war, hat uns letztlich in unserer Strategie bestärkt. Die Krise hat den Fokus weiter geschärft und drei Erkenntnisse in den Mittelpunkt gerückt:

Was bedeutet das konkret?

Die Digitalisierung der Messe München wird mit höchster Priorität und Geschwindigkeit weitergetrieben werden. Das haben die Erfahrungen aus 2020 gezeigt, intern wie extern.

Die Belegschaft in München ist trotz der physischen Entfernung näher zusammengerückt. Im März wurden alle 800 Mitarbeiter*innen praktisch von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice geschickt. Das funktionierte reibungslos, weil wir schon im Jahr zuvor den Remote Modus mit ortsunabhängigem Arbeiten und mobilen Endgeräten vorweggenommen und erprobt hatten.

In München hielten wir auch in der Krise unser Versprechen, das wir mit unserem Claim „Connecting Global Competence“ geben. Wenn Präsenzveranstaltungen nicht möglich waren, etablierten wir digitale Plattformen, auf denen unsere Kunden von unserem weltweiten Netzwerk profitieren, ihre Produkte präsentieren und weiterhin Geschäftskontakte pflegen oder neue knüpfen konnten. Auf 14 Digital-Events in 2020 trafen sich etwa 40.000 Besucher*innen mit Ausstellern, Sponsoren und Speakern.


Gute digitale Formate sind Erfolgsgaranten
und aus der Messewelt nicht mehr wegzudenken.
Kombiniert mit Präsenzveranstaltungen formen
sie die Zukunft der Messewirtschaft.

Unser Erfolg in China zeigt den Weg.

Fotos von Messen in China

Was post-pandemisch möglich sein wird, kann man schon jetzt an unserem Standort China verfolgen. Trotz Maskenpflicht und Abstandswahrung erreichen unsere Veranstaltungen in der Volksrepublik mit ausgereiften Hygienekonzepten hohe Besucherzahlen.

Auf dem chinesischen Markt ist die Messe München als einer der zukunftsstärksten Player und Messeveranstalter positioniert. Das Messegeschäft hat schon Mitte 2020 wieder seinen vollen Gang aufgenommen. Unsere Tochtergesellschaft Messe Muenchen Shanghai konnte einen Gewinn (Net Profit) von ca. 20 Millionen Euro erzielen. Auch das SNIEC – das Shanghai New International Expo Centre – verzeichnete einen Gewinn (Net Profit) von rund 18 Millionen Euro.

Die ISPO Shanghai meldete 15 Prozent Besucherzuwachs, zur electronica CHINA und productronica China kamen mehr als 80.000 Menschen. BAU und bauma gingen wie gewohnt erfolgreich über die Bühne, zum regionalen Spin-off der IE Expo in Guangzhou kamen 401 Aussteller und 20.000 Besucher.

Messehalle

Wie wir uns für die Zukunft neu aufstellen.

Sprechblase Icon

Wie genau die Messe der Zukunft aussieht, lässt sich noch nicht im Detail sagen. Aber fest steht: Eine Rückkehr in die „alte Normalität“ vor Corona wird es in den nächsten Jahren nicht geben. Deshalb haben wir nun die ersten Schritte unternommen, um eine gesamthafte Transformation der Messe München einzuleiten.

Dazu haben wir uns selbst fünf zentrale Ziele gesetzt:

Was wir für die kommenden Monate erwarten.

Wir haben rasch und entschlossen reagiert und haben deshalb gute Chancen, noch stärker aus der Pandemie herauszukommen. Das stimmt uns zuversichtlich für die Zukunft. Im Zentrum steht die Weiterentwicklung unseres bisherigen Geschäftsmodells. Digitalisierung ist für uns heute keine reine Sache von Spezialisten mehr. Sie muss breit und tief im gesamten Unternehmen verankert werden. Hier sind wir im Markt sicher Vorreiter.

Unsere absehbare Messe-Zukunft wird von hybriden Veranstaltungen geprägt sein, also einer Mischung aus Online- und Präsenzevent. Unsere Kunden begrüßen das verstärkte Angebot von digitalen Plattformen. Aber sie signalisieren gleichzeitig, dass sie auch künftig auf Präsenzmessen setzen. Denn uns allen ist klar: Digitale Begegnungen sind kein hundertprozentiger Ersatz für den persönlichen Austausch.

Unser Geschäftsmodell ist es, Menschen zu verbinden. Wir sehen uns nicht mehr nur als Bereitsteller von Hallenfläche, sondern als Manager von Plattformen – in physischer Form auf einer Messe oder digital 365 Tage im Jahr. Die Pandemie hat diesen Trend verstärkt: Wir stehen vor einem Umbruch, vergleichbar mit der Entwicklung des Mobiltelefons in den letzten Jahren. Früher diente es nur dazu, mobil zu telefonieren. Heute ist das Smartphone unser mobiles Büro, mit dem man zusätzlich fotografieren, Musik hören, navigieren, fernsehen, Spiele spielen oder seinen Gesundheitszustand überwachen kann. Unser Kerngeschäft war bislang überwiegend die Vermietung von Ausstellungsfläche. Wie beim Smartphone müssen wir jetzt digitale Zusatzangebote schaffen, die echten Mehrwert für unsere Kunden stiften.

Sicher hängt unser künftiger Erfolg von Strategien, Fähigkeiten und Produkten ab – aber ganz entscheidend ist die Einstellung, mit der wir diese Zukunft annehmen und gestalten. Die gesamte Messewirtschaft steht vor einer großen kulturellen Veränderung.

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